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Das Tanzbüro Berlin ist zentrale Anlauf-, Beratungs- und Vernetzungsstelle für die Berliner Tanzszene.

was ist Mut, was macht ihn aus? 

Wenn ich an Mut denke, habe ich die Frau im Badeanzug im Kopf, die sich kopfüber ins Ungewisse stürzt. Ich sehe sie manchmal, wenn ich in den Spiegel schaue, und sie auf mei-nem Rippenbogen entdecke, wo sie seit einigen Jahren unter meiner Haut wohnt. In nur wenigen Momenten meines Lebens habe ich mich so mutig gefühlt, wie diese Frau zu sein scheint. Ihr Sprung ins Ungewisse erinnert mich daran, dass es sich lohnt, die eigenen Ängste zu überwinden. Die Gewissheit, dass sie da ist, lässt mich mit etwas mehr Wagemut durchs Leben gehen ...

Mit meiner ersten Ausgabe als Redakteurin des tanzraumberlin Magazins wage ich deshalb selbst einen kleinen Sprung ins Ungewisse. Ich spüre dem Mut nach, den viele angesichts der Herausforderungen unserer Zeit vermissen, und frage, welche Rolle er im künstlerischen Arbeiten spielt. Denn Künstler*innen gelten oft als besonders mutig: Sie arbeiten unter prekären Bedingungen, machen ihre Kunst öffentlich und setzen sich auf der Bühne der Verletzlichkeit aus. Gerade im Tanz wird diese Verletzlichkeit unmittelbar sichtbar, weil der Körper selbst zum Material der Kunst wird. Aber ist diese Verletzlichkeit allein schon Mut?

Als ich für diese Magazinausgabe Tänzer*innen dazu befragte, begegnete mir ein wiederkehrendes Phänomen: Kaum jemand bezeichnete sich selbst als mutig. Mut erschien weniger als Gefühl denn als Haltung – genauer: als eine Form des Dagegenhaltens. Gegen rechte Tendenzen, gegen Ausschlüsse und gegen die Versuchung, anderen gefallen zu wollen. Für diese Haltung spielte ein Gefühl dann doch noch eine große Rolle: Wut. Wut über die herrschenden Verhältnisse, über die Ungerechtigkeiten, über Kulturkürzungen. Wut nicht als lähmende Kraft, sondern als Katalysator, der Bewegung erzeugt und den Mut nährt. 

Die Lektionen über Mut (und Wut) erzählen von genau diesen Bewegungen. Iman Gele, Britta Kerger, Birte Opitz, Heinrich Horwitz und Sara Mikolai schreiben über Wendepunkte und Widerstände in ihrer künstlerischen Arbeit, über die Liebe zur Kunst und über die Wut, die sie begleitet und antreibt.

Wie sich Wut in Bewegung übersetzen und in mutige Schritte verwandeln lässt, zeigt das Glossar von Thusnelda Marín Jungmann. Das Glossar wird künftig neben anderen neuen Textformaten regelmäßig einen Platz im Magazin bekommen – als Einladung, Themen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Die Tänzerin Gemini schreibt in ihrem Text What I Learned about Dance When I Became a Stripper über ihre Suche nach dem Wahrhaftigen im Tanz, die sie vom Ballettsaal in die Berliner Stripclubs führte. Alina M. Saggerer widmet sich in ihrer Kolumne Am Schweigen schreiben, an der Mauer tanzen dem Untanzbaren und fragt, ausgehend von Ingeborg Bachmanns Begriff des Unsagbaren, nach dem, was sich der Bewegung entzieht. 

Es ist Wahlherbst in Berlin, vielerorts beginnt die neue Spielzeit – und auch für mich beginnt mit dieser Ausgabe ein neuer Abschnitt. Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit euch zu gehen und wage den Sprung. 

Eine inspirierende Lektüre und viele mutige Momente wünscht

Lea-Maria Kneisel

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