Liebe Leser*innen,
als Kind war ich Dirty-Dancing-Ultra, konnte alle Tanzszenen auswendig nachahmen, Dialoge mitsprechen und den kompletten Soundtrack mitsingen (und natürlich war ich auch in Johnny Castle verliebt). Mit meiner Tanzgruppe Die Schrillen Schrullen im TUS Neukölln habe ich als Zwölfjährige eine Choreografie zum Titelsong von Flashdance getanzt, und das Opening von Staying Alive habe ich zuhause stundenlang auf dem Videorekorder immer wieder zurückgespult, um mir die Sprünge und Pirouetten einzuprägen und selbst zu ver- suchen. Man könnte also sagen, ich hatte schon früh eine Liebe zum Tanzfilm und freue mich deshalb sehr, meine letzte tanzraumberlin-Ausgabe dem spannungsreichen Verhältnis von Tanz und Film zu widmen.
Und wie könnte es jetzt anders sein: Ich lasse die Kulturjournalistin Hannah Pilarczyk für dieses Heft mit ihrem Essay Die Geschichte von Baby und Johnny auf die Rezeptions- geschichte von Dirty Dancing blicken, dessen politische Dimension lange verkannt wurde und erst allmählich in den Fokus rückte – der Text basiert auf einem Publikationsbei- trag von 2012. Wie Tanzfilm als eigenständige Kunstform produziert, kuratiert und international vernetzt wird, darüber habe ich mit Wibke Janssen und Sarah Möller vom Berliner POOL – MOVEMENT ART FILM Festival gesprochen. Weil fil- mische Kanons nie abgeschlossen sind und jede Bestenliste auch ein Bekenntnis zu persönlichen Obsessionen und Seh- gewohnheiten ist, nehmen Manuel Wisniewski und ich euch mit unserem Ranking der 25 besten Tanzfilme aller Zeiten auf eine persönliche Reise durch die Tanzfilmgeschichte: von Musical über Dokumentarfilm und Horror bis hin zu Pop- und Clubkultur. Und auch Alina M. Saggerers Kolumne bewegt sich zwischen Leinwand und Körpererfahrung. Ausgehend von dem englischen Spielfilm Billy Elliot – I will Dance beschreibt sie sehr eindrücklich, wie aus kindlicher Begeisterung eine lebenslange Suche nach Bewegung, Erkenntnis und Nähe zum Tanz entsteht.
Nach drei Jahren und 20 Ausgaben verabschiede ich mich mit diesem Heft als Redakteurin des tanzraumberlin- Magazins und übergebe an die neue Redakteurin Lea-Maria Kneisel. Viel ist in dieser Zeit passiert – begonnen habe ich Anfang 2023, als die Szene gerade noch sprudelnd produzierte, experimentierte und langsam von der Pandemie aufatmete, dann kippte die Stimmung mit den massiven Kürzungen Anfang 2025 spürbar. Die prekäre Situation von Künstler*innen verschärft sich seitdem, viele unter ihnen wandern ab oder orientieren sich neu, Spielstätten mangelt es an Entwicklungsperspektiven wegen unzureichender Unterstützung – all das ist sichtbar auch im kürzer werdenden Tanzkalender. Und dennoch habe ich in dieser Zeit ebenso viel Solidarität erlebt. Die Szene ist kleiner geworden, vielleicht verletzlicher – aber sie tanzt, denkt und kämpft weiter. Und vielleicht liegt genau darin ihre größte Stärke. Mein Riesendankeschön geht hiermit an alle Autor*innen der letzten 20 Ausgaben für ihre großartigen Beiträge, an das Team des Tanzbüro Berlin, die Grafikerinnen Hannah Witte und Sophia Krayc, die Anzeigen- und Kalenderleitung Désirée Meul, den Lektor / Korrektor Christoph Tempel und den Übersetzer Mark Kanak für die tolle Zusammenarbeit.
Au revoir,
und viel Spaß beim Lesen,
Johanna Withelm