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Ausgabe Juli-August 2026

Die 25 besten Tanzfilme aller Zeiten

Bild generiert mit ChatGPT OpenAI. Konzeption und Prompt: Manuel Wisniewski, Johanna Withelm

Von Pina bis Popcorn: Die Geschichte des Tanzfilms steckt voller Klassiker, Kultfilme, Außenseiter und Guilty Pleasures. Manuel Wisniewski und Johanna Withelm versammeln hier 25 Filme, in denen Tanz weit mehr ist als spektakuläre Bewegung: Ausdruck von Begehren, gesellschaftlichem Konflikt, Befreiung oder Exzess. Dieses Ranking ist eine Behauptung, die auf Konjunktive verzichtet, aus dem Vollen schöpft und höchst subjektiv – und insofern mehr als unvollständig – ist. Please step into the frame: lights, camera, dance!

Manuel Wisniewski, Johanna Withelm

 

25. Anna – Der Film

Jahr: 1988 / Regie: Frank Strecker / Choreografie: Molly Molloy

Aim high, start low: Anna löste Ende der 1980er Jahre in der BRD einen regelrechten Ballettschulen-Boom aus. Als ZDF-Weihnachtsserie gestartet, erzählt Anna die Geschichte eines jungen Mädchens, das Balletttänzerin werden will. 1988 folgte die erfolgreiche Kinofortsetzung, Hauptdarstellerin Silvia Seidel wurde zum Star und gewann sogar den bronzenen BRAVO-Otto. Streckenweise wirkt das Ganze heute etwas klamaukig, ist an einigen Stellen schlecht gealtert und trotzdem darf dieser Film auf Grund von Samstagabendfernsehen-Nostalgie und herrlich aus der Zeit gefallener Ballettsaalszenen hier nicht fehlen. Nur echt auf dem Röhrenfernseher mit Häkeldeckchen.

 

24. Isadora

Jahr: 1968 / Regie: Karel Reisz / Choreografie: Litz Pisk

Vanessa Redgraves zweite Zusammenarbeit mit Karel Reisz und zugleich ihre zweite Oscar-Nominierung: Im Geiste der ’68er verkörpert sie Isadora Duncan als Bohémienne mit hippiehaftem, protofeministischem Impuls – nicht als makellose Ikone, sondern als leidenschaftliche, widersprüchliche Frau, deren Leben und Kunst unauflöslich ineinanderflossen. Die kaum gebrochene Verehrung der Hauptfigur macht Duncans große Pionierarbeit für den modernen Tanz sichtbar, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus den gesellschaftlichen und ästhetischen Normierungen des Balletts löste und die Freiheit des Körpers beschwor.

 

23. And then we Danced (dt.: Als wir tanzten)

Jahr: 2019 / Regie: Levan Akin / Choreografie: Natia Chikvaidze

Tanzfilm als Politikum, Aufführungen unter Polizeischutz, Standing Ovations in Cannes: Merab (Levan Gelbakhiani) tanzt seit seiner Kindheit im georgischen Nationalballett, bis ein neuer charismatischer Tänzer sowohl Rivalität als auch unerwartetes Begehren auslöst. Der georgische Nationaltanz erscheint dabei als auf Kante trainierte Ordnung aus Tradition und männlicher Härte, die mit modernen Lebens- und Liebesentwürfen kollidiert. Levan Akin erzählt das mit großer Zurückhaltung im Dialog, Tanz wird zur eigentlichen Sprache von Nähe, Scham und Konflikt. Ein eindrückliches Beispiel für „Show, don’t tell“-Regie, in der nichts mehr sagt als der tanzende Körper selbst.

 

22. They Shoot Horses, Don’t They? (dt.: Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß)

Jahr: 1969 / Regie: Sydney Pollack

Im Amerika der Großen Depression wird ein Tanzmarathon zur gnadenlosen Überlebensshow: Paare tanzen, bis Körper und Hoffnung brechen, während das Publikum sensationslüstern auf den nächsten Kollaps lauert. Sydney Pollack inszeniert Jane Fonda und Michael Sarrazin in einem düsteren Sozialpanorama zwischen Wettbewerb, Voyeurismus und existenzieller Verzweiflung. Tanz wird hier nicht Befreiung, sondern Ausdauerprüfung, der Rhythmus gibt den Takt der Erschöpfung vor. Dafür gab es neun Oscar-Nominierungen – und keinen einzigen Preis.

 

21. Stayin Alive

Jahr: 1983 / Regie: Sylvester Stallone / Choreografie: Sharee Lane, Dennon & Sayhber Rawles

Sechs Jahre nach Saturday Night Fever ist Disco im New York der frühen 1980er nur noch Erinnerung und der Broadway ruft. Sly Stallone – frisch eingerichtet im Action-Olymp als Rocky und Rambo – inszeniert das Sequel mit einer körperverliebten Faszination für Ehrgeiz, Selbstdisziplin und Schweiß wie einen Trainings- und Actionfilm. Travolta tanzt sich als Tony Manero hier nicht mehr durch Clubs, sondern durch Spiegelstudios und Theaterbühne, vieles wirkt herrlich überzogen und selbstverliebt, doch gerade darin liegt der eigentümliche Reiz des Films. Zugegeben, der Vorgänger ist der bessere Film – aber Staying Alive hat das actionreichere Finale.

 

20. Suspiria (dt.: Suspiria – In den Krallen des Bösen)

Jahr: 1977 / Regie: Dario Argento

Murder on the Dancefloor! Bei Dario Argento wird die Ballettschule zum Disziplinarraum, in dem Körper kontrolliert und zermürbt werden. Statt virtuoser Eleganz zeigt der Film den tanzenden Körper als verletzlichen Spielball okkulter Mächte. Relativ wenige Tanzszenen, dafür grelle Farben und extreme Kameraperspektiven, die sich mit Goblins stechendem Soundtrack zu einem hypnotischen Hexensabbat verdichten. Mehr Tanz gibt es in Luca Guadagninos Remake mit Damien Jalets Choreografien von 2018 zu sehen, dafür zahlen dort die Knochen einen deutlich höheren Preis.

 

19. Flashdance

Jahr: 1983 / Regie: Adrian Lyne / Choreografie: Jeffrey Hornaday

Flashdance erschien 1983 wie ein fiebriger Pop-Moment zwischen Stahlwerk und Tanzstudio – maximal achtzigerjahrelig und doch erstaunlich zeitlos. Im Mittelpunkt steht Alex, Schweißerin bei Tag und Tänzerin bei Nacht, die zwischen Selbstzweifeln und großen Träumen ihren Weg sucht. Der Film ist weniger an Logik interessiert als an Gefühl, und genau darin liegt sein Zauber. Schulterfreie Sweatshirts, Neonlicht und Synthesizer verschmelzen zu einer nostalgischen Liebeserklärung an Ehrgeiz, Pathos und die wunderbare Kunst, sich im richtigen Moment vom Wasser durchnässen zu lassen.

 

18. Shall We Dance?

Jahr: 1996 / Regie: Masayuki Suo / Choreografie: Toshio Watari

Shall We Dance? erzählt von der leisen Irritation in einem durchgetakteten Leben: Buchhalter Shohei (Koji Yakusho), fest verankert im 9-to-5 und in sozialer Zurückhaltung, folgt einer flüchtigen Schwärmerei in einen Ballroom-Tanzkurs – und gerät in eine Welt, in der Körper plötzlich nicht mehr nur funktionieren, sondern sich zeigen müssen. Masayuki Suô inszeniert das nicht als Befreiungsfantasie, sondern als schamvolle, komische und zögerliche Verschiebung von Selbstverständlichkeit. Tanz wird so zur Übung im Ungewohnten, zum sozialen Risiko im Kleinen.

 

17. Billy Elliot – I Will Dance

Jahr: 2000 / Regie: Stephen Daldry / Choreografie: Peter Darling

Der 11-jährige Billy wächst während des Bergarbeiterstreiks 1984/85 in der nordenglischen Kohlestadt Durham auf und verfolgt gegen alle Erwartungen seinen Traum vom Balletttanzen. Bis heute ist der Film aktuell in Bezug auf Tanz und gesellschaftliche Normen, Geschlechterstereotype und Klassismus. Unvergessen: Billys Wut-Tanzszene über die Dächer und durch die trostlos schönen Straßen Durhams zu A Town Called Malice von The Jam.

 

16. Skatetown, U.S.A

Jahr: 1979 / Regie: William A. Levey

Skatetown, U.S.A. rollte 1979 über die Leinwand wie eine Discokugel mit Orientierungsschwäche: grell, überfüllt und erstaunlich überzeugt von sich selbst. Der Film folgt einer Gruppe junger Rollschuh-Enthusiast*innen, deren Leben um Romanzen, Rivalitäten und Rollschuh-Disco-Wettkämpfe kreist. Und doch besitzt dieser Film mit seiner fiktiven grellbunten Welt, in der alle immerzu auf Rollschuhen tanzen, einen eigensinnigen Charme. Lieblingsszene: Das Rolltanzsolo des jungen Patrick Swayze mit langer Mähne, Lederweste über nacktem Oberkörper, Schlaghose und mit Gürtel als Peitsche aka Gymnastikband umfunktioniert.

 

15. La La Land

Jahr: 2016 / Regie: Damien Chazelle / Choreografie: Mandy Moore, Jillian Meyers, Michael Riccio

Als schillerndes Pastiche des klassischen Hollywood-Musicals entführt La La Land in eine sonnendurchflutete Parallelwelt, in der MGM-Glamour, Jazzromantik und Millennial-Melancholie koexistieren. Emma Stone und Ryan Gosling singen und tanzen charmant unperfekt durch eine konsequent choreografierte Liebesgeschichte, die sie vom stauverstopften Highway bis zu den Sternen und wieder zurück auf den Boden der Realität führt. Hinter der bonbonsüßen Oberfläche erzählt der Film von prekären Lebensumständen und dem Preis künstlerischer Ambition. Einziges Ärgernis: Das Herz hätte gern ein anderes Finale bestellt!

 

14. Footloose

Jahr: 1985 / Regie: Herbert Ross / Choreografie: Lynne Taylor-Corbett, Spencer Henderson

In Footloose wird Tanz zum Konflikt um Körper im öffentlichen Raum: Jugend gegen religiös-konservative Ordnung, Bewegung gegen Disziplin, Pop gegen moralische Kontrolle. Die Choreografien sind weniger virtuos als impulsiv, Schnitte und Songs zerlegen Bewegung in Energie. Zwischen Studio-Musical und MTV-Ästhetik markiert der Film den Übergang ins popkulturelle Tanzkino der Achtziger. Facepalm-Moment inklusive: Bonnie Tylers Holding Out for a Hero wird nicht vertanzt, sondern bei einem etwas peinlichen Traktorduell verheizt.

 

13. Climax

Jahr: 2018 / Regie: Gaspar Noé / Choreografie: Nina McNeely

Gaspar Noés Climax verwandelt eine Afterparty in einen psychedelischen Horrortrip. Mit Laiendarsteller*innen aus der Club- und Tanzszene, improvisierten Dialogen und Nina McNeelys explosiven Choreografien entsteht zunächst ein euphorischer Flow zwischen Clubkultur, Streetdance und zeitgenössischem Tanz. Nachdem die Sangria mit LSD versetzt wurde, kippt die Nacht in kollektive Paranoia und körperliche Enthemmung. Selbst im morbiden Finale deutet Climax an, dass diese Party nie wirklich endet und der Tanz immer weitergeht.

 

12. Les Demoiselles de Rochefort (dt.: Die Mädchen von Rochefort)

Jahr: 1967 / Regie: Jacques Demy / Choreografie: Norman Maen

In Les Demoiselles de Rochefort wird die ganze Stadt zur Bewegungsfläche: Plätze, Cafés und Straßen geraten in permanente Synchronisierung. Jacques Demy macht den Film mit Pastellfarben, Melancholie und urbaner Offenheit statt Studioglanz zum Scharnier zwischen Hollywood-Musical und Nouvelle Vague. Tanz entsteht beiläufig aus Alltagsgesten, die Kamera gleitet mit den Körpern. Mit den echten Schwestern Catherine Deneuve und Françoise Dorléac sowie Gene Kelly als Amerikaner in Rochefort statt Paris spukt der Geist der MGM-Tradition durch den Film: elegant, leicht entrückt und diesmal nicht im Regen, sondern unter der strahlenden Sonne der französischen Atlantikküste.

 

11. Showgirls

Jahr: 1995 / Regie: Paul Verhoeven / Choreografie: Marguerite Derricks

Die junge Nomi Malone kämpft sich durch die schillernde und rücksichtslose Welt der Las-Vegas-Shows bis nach oben. Paul Verhoevens Neon-Exzess galt einst als filmischer Totalschaden, hat sich inzwischen aber zum Kultfilm entwickelt. Halb Satire, halb Vegas-Traum aus Glitzer und Größenwahn erzählt der Film davon, wie es ist, alles hinter sich zu lassen und den Traum vom Tanzen zu verfolgen, ist bis heute Inspirationsquelle für Nail- und Make-up-Artists und lehrt uns, den Namen „Versace“ richtig auszusprechen (nämlich Versayce).

 

10. Rhythm Is It!

Jahr: 2004 / Regie: Thomas Grube, Enrique Sánchez Lansch / Choreografie: Royston Maldoom

250 Kinder und Jugendliche proben im verschneiten Berliner Winter 2002/03 für ein außergewöhnliches Projekt: Die Dokumentation Rhythm Is It! begleitet die Arbeit von Choreograf Royston Maldoom und den Berliner Philharmonikern mit jungen Menschen, für die zeitgenössischer Tanz zunächst eine fremde Welt ist, und zeigt, dass Tanzvermittlung kein pädagogisches Beiwerk, sondern kulturelle Teilhabe bedeutet.

 

9. Fame (dt.: Fame – der Weg zum Ruhm)

Jahr: 1980 / Regie: Alan Parker / Choreografie: Louis Falco

Fame brannte sich 1980 in die Popkultur mit der Überzeugung ein, dass Kunst Leben retten oder zumindest radikal durcheinanderbringen kann. An der New Yorker High School of Performing Arts begleitet der Film junge Schüler*innen zwischen Ehrgeiz, Unsicherheit und der Sehnsucht, gesehen zu werden. Der Tanz, mal explosiv auf der Straße, mal diszipliniert im Studio, wird zur Sprache eines Lebensgefühls. Und obwohl der Film ursprünglich fast dokumentarisch rau gedacht war, wurde aus ihm ein weltweites Phänomen samt TV-Serie und Ohrwurm für die Ewigkeit.

 

8. West Side Story

Jahr: 1961 / Regie: Robert Wise, Jerome Robbins / Choreografie: Jerome Robbins

In der West Side nichts Neues: Life is all right in America if you’re a white in America! Robert Wise verbindet Hollywood-Musical mit urbanem Sozialdrama im New York der frühen 1960er. Rivalisierende Straßengangs begegnen sich in ritualisierten Formationen, Aggression wird in synchrone Bewegungen und dominante Posen übersetzt. Jerome Robbins’ Choreografien prägten „Street Dance as Cinema“ und beeinflussten später auch Michael Jacksons Körpersprache. Zugleich bleibt der Film maximal ambivalent: politisch ambitioniert, aber tief in den Repräsentationsproblemen des klassischen Hollywoods verankert.

 

7. All That Jazz (dt.: Hinter dem Rampenlicht)

Jahr: 1979 / Regie: Bob Fosse / Choreografie: Bob Fosse, Kathryn Doby, Gene Foote

Mit seinem halb-autobiografischen Autoren-Musical entwirft Bob Fosse einen vorauseilenden Nachruf auf sich selbst. Roy Scheider spielt einen getriebenen Choreografen und Regisseur, der Arbeitsrausch und körperlichen Verschleiß in ein obsessives Selbstporträt überführt. Aus zunächst dokumentarischen Bildern entwickelt sich zunehmend ein halluzinatorischer Blick hinter die Kulissen des Showbusiness und Künstleregos. Mit Goldener Palme und vier Oscars ausgezeichnet, gilt der Film als zentraler Fosse-Text über Kreativität, Körper und Exzess. It’s showtime, folks!

 

6. Pina – tanzt, tanzt sonst sind wir verloren

Jahr: 2011 / Regie: Wim Wenders / Choreografie: Pina Bausch

Pina ist weniger klassische Dokumentation als filmische Verbeugung vor dem Werk von Pina Bausch. Wim Wenders übersetzt ihr Tanztheater nicht in Erklärungen, sondern in Bilder, Räume und Körper, die sprechen, wo Worte scheitern. Entstanden nach Bauschs Tod, trägt der Film zugleich Trauerarbeit und Feier des tänzerischen Werks in sich. Seine Stärke liegt darin, den Tanz in seiner Fremdheit und Schönheit zugänglich zu machen. Pina wurde so selbst zu einem wichtigen Vermittler, der zeitgenössischen Tanz für ein breites Publikum erfahrbar macht.

 

5. Top Hat (dt.: Ich tanz’ mich in dein Herz hinein)

Jahr: 1935 / Regie: Mark Sandrich / Choreografie: Fred Astaire, William Hetzler, Hermes Pan

Mit Top Hat perfektionierten Fred Astaire und Ginger Rogers das klassische Hollywood-Musical der 1930er. Vor opulenten Art-déco-Kulissen entfaltet sich eine beschwingte Screwball-Komödie voller Glamour, Witz und romantischen Irving-Berlin-Songs wie dem legendären Cheek to Cheek. Die schwerelosen Choreografien machten das Duo unsterblich. And keep in mind: Ginger Rogers did everything Fred Astaire did backwards—and in high heels!

 

4. Paris Is Burning (dt.: Paris brennt)

Jahr: 1990 / Regie: Jennie Livingston

Paris Is Burning wurde als Dokumentation über Ballroom-Kultur zu einem unverzichtbaren Zeugnis queerer Geschichte und kultureller Selbstermächtigung. Regisseurin Jennie Livingston begleitete die Ballroom-Szene im New York der 1980er Jahre, in der Schwarze, Latinx, queere Menschen, Dragqueens und Transpersonen Räume schufen, die Schutz, Familie und Ausdruck zugleich waren. Voguing und die Kategorien der Balls erscheinen dabei nie als bloße Performance, sondern als Überlebenskunst und gesellschaftlicher Kommentar. Strike the Pose!

 

3. Strictly Ballroom (dt.: Strictly Ballroom – Die gegen alle Regeln tanzen)

Jahr: 1992 / Regie: Baz Luhrmann / Choreografie: John O’Connell, Ray Mather, Paul Mercurio

Anfang der 1990er Jahre wirkte die Ballroom-Welt mit Glitzerfransen, Federbesatz und Spray-Tans neben Clubkultur und MTV bereits wie ein provinzielles Relikt. Baz Luhrmann erzählt Strictly Ballroom als campiges Melodram voller übersteigerter Farben und scharfer Schnitte und spielt lustvoll mit den Tropen des Tanzfilms: Rebell gegen Institution, Außenseiterromanze, Befreiung durch Normbruch. Die satirische Überzeichnung karikiert die Ballroom-Szene, ohne je ihre tiefe Zuneigung zu ihr zu verlieren. Love is in the air!

 

2. The Red Shoes (dt.: Die roten Schuhe)

Jahr: 1948 / Regie: Michael Powell, Emeric Pressburger / Choreografie: Robert Helpmann

In bewusster Abkehr vom Realismus des Nachkriegskinos erzählt The Red Shoes in fiebrigen Technicolor-Bildern von der Kraft künstlerischer Hingabe – als verlange nun nicht mehr der Krieg, sondern die Kunst bedingungslose Opfer. In Anlehnung an Andersens Märchen von den roten Schuhen, die ihre Trägerin zum endlosen Tanzen verdammen, verbinden sich märchenhafte Ballettbilder und psychologische Tragik zu einer Erzählung über Kunst als obsessive Leidenschaft. Heute gilt der Film als Meilenstein des britischen Kinos und hallt im Werk zahlreicher Künstler*innen nach – etwa bei Kate Bush, die ihm ein ganzes Album widmete.

 

1. Dirty Dancing

Jahr: 1987 / Regie: Emile Ardolino / Choreografie: Kenny Ortega

Was sollen wir sagen: Dirty Dancing, jahrelang verkannt und heute zumindest etwas rehabilitiert, ist jener seltene Film, der Romance, Coming-of-Age, Gesellschaftskritik und Tanzexplosion auf einmal ist. Hinter seiner Liebesgeschichte entfaltet der Film eine überraschend klare Auseinandersetzung mit Klassenunterschieden und weiblicher Selbstbestimmung. Die Mischung aus Mambo und Latin Dance wird dabei zur Sprache der Befreiung, roh und zärtlich zugleich. „Ich habe eine Wassermelone getragen“ ist längst Popgeschichte, der ikonische Lift in der finalen Tanzszene ging in die Filmgeschichte ein, wurde vielfach zitiert, und ja: Mein Baby gehört bis heute zu uns allen!

 

Manuel Wisniewski hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert und war früher statt in der Tanzschule lieber im Videodrom. Heute tanzt er am liebsten in der Küche.


Johanna Withelm hat nach ihrer Bühnentanzausbildung Theater- und Tanzwissenschaft studiert. Dirty Dancing hat sie als Kind an die 50 Mal auf VHS-Kassette gesehen. 

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