Zu Beschluss des Abgeordnetenhauses über den Doppelhaushalt 2026/2027 erklärt die Senatorin für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Sarah Wedl-Wilson:
„Mein Dank geht an das Parlament für einen konstruktiven Aushandlungsprozess und den nun vorliegenden Beschluss zum Doppelhaushalt 2026/2027. Dieser erlaubt es uns dringende Aufgaben anzugehen, um die Kultur in Berlin für alle zu sichern. Außerdem werden wir nach Kräften den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. In Zeiten immer größer werdender Spaltung ist dies eine Kernaufgabe meiner Verwaltung.
Trotz des hohen Konsolidierungsdruckes haben wir im Vergleich mit anderen Metropolen einen der größten Kulturhaushalte. Dieser ermöglicht es uns, auch weiterhin verantwortungsvoll mit der kulturellen Strahlkraft Berlins umzugehen.
Zwei sicherlich herausfordernde Haushaltsjahre liegen vor uns, wir haben uns dafür gut aufgestellt. Hier ist im Besonderen der mit 17 Millionen Euro pro Jahr ausgestattete Transformationsfonds zu nennen. Er erlaubt uns wichtige Schritte einzuleiten, die die Kunst und Kulturlandschaft in Berlin zukunftsweisend aufstellen. Wir starten im neuen Jahr direkt mit ersten Maßnahmen. Besonders erfreulich ist, dass wir Strukturen erhalten können und keines unserer Häuser schließen muss. Die Freie Szene, als Keimzelle der Kreativität, wird weiter unterstützt – ohne belastet zu werden.
Die Kreativen und Kulturschaffenden in unserer Stadt brauchen gute Arbeitsbedingungen – auch diese können Dank der Verabredungen zu Mindesthonoraren und der Übernahme von Tarifvereinbarungen gesichert werden“.
Im Einzelnen bedeutet dies:
Für den Bereich Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt stehen im Sachhaushalt (ohne Personalausgaben) insgesamt Mittel in Höhe von 957,3 Millionen Euro (EPl. 08) sowie rd. 7,7 Millionen Euro (Kapitel 2708) für 2026 und rd. 974,5 Millionen Euro (EPl. 08) sowie rd. 7,7 Millionen Euro (Kapitel 2708) für 2027 zur Verfügung (2025: 1,026 Milliarden Euro im EPl. 08 und rd. 3 Millionen Euro beim Kapitel 2708).
Trotz dieser Summen in den Jahren 2026 und 2027 bleiben die Herausforderungen für die Kulturszene und die Kultureinrichtungen vor dem Hintergrund des Konsolidierungsdruckes hoch. Es ist ein bedeutender Erfolg, dass die lebendige Kulturlandschaft der Hauptstadt erhalten bleibt, weiterentwickelt werden kann und Kürzungen in existenzbedrohender Dimension vermieden wurden.
Zentrales Ziel bleibt es, die Hauptstadtkultur auch für die kommenden Jahrzehnte zu sichern. Dafür sind kluge strukturelle Veränderungen notwendig, die durch einen Transformationsfonds in Höhe von 17 Millionen Euro pro Jahr ermöglicht werden. Es werden gezielt Mittel eingesetzt, um mittelfristig Einsparungen zu realisieren. Maßnahmen wie gemeinsame Depots und Werkstätten sowie ein gemeinsames Ticketing und gemeinsame digitale Plattformen zur Vermarktung bilden hierbei erste Schritte in Richtung einer zukunftsfähigen Kulturlandschaft.
Die Zukunft der Berliner Kultur wird getragen von den Menschen, die sie gestalten. Berlin muss auch weiterhin ein zentraler Anziehungspunkt für Kreative bleiben. Hierfür wird durch die Übernahme von Tarifsteigerungen (2026: rd. 30 Millionen Euro, 2027: rd. 47,7 Millionen Euro) sowie je ca. 2,6 Millionen Euro in 2026 und 2027 durch Mindesthonorare und Gagen (2026 und 2027: ca. 2,6 Millionen Euro) eine wichtige Grundlage geschaffen. Die Bezirke wurden, insbesondere bei den Mitteln für die kommunalen Galerien (FABiK) von den Kürzungen weitgehend verschont und sind finanziell abgesichert.
Förderungen bleiben ein Fundament der Kulturstadt Berlin. Die Freie Szene wird im Doppelhaushalt in etwa in gleicher Höhe wie im letzten Haushalt berücksichtigt, wodurch die bestehenden Programme im Wesentlichen beibehalten werden können.
Im Bereich der Bühnen und Orchester ist es im Rahmen der Haushaltsverhandlungen gelungen, die institutionell geförderte Landschaft in ihrer großen Vielfalt und programmatischen Bandbreite zu erhalten.
Für alle institutionellen Einrichtungen verabredete Einspar-Sätze sind nach intensiven Gesprächen zwischen allen Beteiligten im Rahmen des Kulturdialogs als tragfähig eingeschätzt worden.
Dies steht beispielgebend für den gemeinschaftlichen und guten Diskussionsprozess, dass ein herausragendes Ergebnis ist, dass leistungsfähige Einrichtungen mehr übernommen haben und so die Grundlage dafür geschaffen haben, besonders vulnerable Einrichtungen zu entlasten. Wichtige Sonderprojekte, etwa zur Aufarbeitung des Kolonialismus, können fortgesetzt werden.
Mit besonderer Umsicht wurden Kürzungen insbesondere bei Kinder- und Jugendtheatern, inklusiv arbeitenden Einrichtungen sowie bei Literatureinrichtungen vorgenommen. Von dieser Schwerpunktsetzung profitieren unter anderem das Theater an der Parkaue, das GRIPS Theater, das Theater Strahl, das ATZE Musiktheater, das RambaZamba Theater sowie die Literatureinrichtungen Literarisches Colloquium Berlin, Literaturhaus Berlin, Literaturforum im Brechthaus und das Haus für Poesie.
Im Bereich Bühnen, Orchester, Tanz, Literatur, Interdisziplinare Einrichtungen stehen somit insbesondere für die institutionell geförderten Einrichtungen 2026 insgesamt Mittel i. H. v. rund 443 Millionen Euro und in 2027 i. H. v. rund 456 Millionen Euro zur Verfügung.
Das Projekt Fairstage, das sich für bessere Arbeitsbedingungen an Berliner Sprechtheatern einsetzt, wird weiterhin gefördert.
Zugleich bleibt kulturelle Bildung fest in den großen Institutionen verankert: Allein im ersten Halbjahr 2025 investierten die Häuser der Opernstiftung erhebliche Mittel in Programme der kulturellen Bildung – die Staatsoper über 613.000 Euro, die Komische Oper rund 771.000 Euro und die Deutsche Oper etwa 250.000 Euro.
Für die institutionell geförderten Museen, Ausstellungshäuser und Gedenkstätten kann die Fortführung der Förderung in den Jahren 2026 und 2027 sichergestellt werden, wenngleich auch hier Einsparungen vorgenommen werden mussten.
Für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) kann das Land Berlin im Jahr 2027 erhöhte Kofinanzierungsmittel bereitstellen.
Die Musikschulen profitieren durch die Bereitstellung von zusätzlich 4 Millionen Euro jährlich zur Erhöhung der Festanstellungsquote. Dies stellt einen wichtigen Schritt zur Lösung der sogenannten „Herrenberg-Thematik“ dar und trägt zur Schaffung besser sozial abgesicherter Beschäftigungsverhältnisse im Berliner Musikschulwesen bei. Unser Dank geht an den Haushaltsgesetzgeber, der dies im Rahmen der Haushaltsberatung berücksichtigt hat. Zusammen mit entsprechend umzunutzenden Honorarmitteln stehen damit deutlich über 10 Millionen Euro für neue Festanstellungen zur Verfügung. Dies unterstreicht die hohe Wertschätzung der Arbeit der Musikschulen – trotz einer insgesamt äußerst angespannten Haushaltslage.
Arbeitsräume für Künstlerinnen und Künstler bleiben gesichert – mit klarer Fokussierung und weiterentwickelten Strukturen. Das Arbeitsraumprogramm wird fortgeführt, bei gleichzeitiger Überarbeitung der Strukturen, der Kulturraum GmbH. Bestehende Räume werden 2026 mit 21 Millionen Euro und 2027 mit 19,7 Millionen Euro gesichert. Das Modellprojekt TXL wird in die nächste Entwicklungsstufe überführt. Im Jahr 2026 kann ergänzend zur Außenfläche eine Teilfläche des Gebäudes für eine spartenübergreifende Nutzung bereitgestellt werden. Darüber hinaus wird die Modellprojektreihe des Kulturmodernisierungsprogramms (KMP) mit der Aktivierung von Flächen im Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof fortgesetzt
Auf Grundlage des 2023 durchgeführten Architekturwettbewerbs sowie der ab 2026 zur Verfügung stehenden Verpflichtungsermächtigungen können die Planungen für das zentrale Eingangsgebäude der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin fortgeführt werden. Das neue Gebäude soll künftig die verschiedenen Bestandsgebäude des Museums baulich miteinander verbinden.
Auch die Planungen für die dringend notwendige Neustrukturierung und Sanierung des Bröhan-Museums können fortgeführt werden. Dafür stehen ab 2026 Verpflichtungsermächtigungen und Planungsmittel im sog. „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ zur Verfügung. Ziel ist es, das Museum in die Lage zu versetzen, zeitgemäße Sonder- und Dauerausstellungen zu realisieren, die eigene Sammlung zu sichern sowie Vermittlungs- und Bildungsarbeit angemessen durchzuführen.
Beim Friedhof der Märzgefallenen werden ebenfalls wichtige Fortschritte erzielt: Nach dem Architekturwettbewerb für das neue Besuchszentrum im Volkspark Friedrichshain im Jahr 2023 ist die Planung so weit fortgeschritten, dass 2026 mit dem Baubeginn des erstplatzierten Entwurfs begonnen werden kann. Für die Umsetzung dieses für die nationale Gedenkkultur bedeutenden Ortes sind in den Jahren 2026 und 2027 insgesamt 1,7 Millionen Euro veranschlagt.
Die Grundsanierung der Komischen Oper Berlin wird im Jahr 2026 fortgeführt. Damit wird für dieses investive Großprojekt der Berliner Kulturlandschaft ein kontinuierlicher Baufortschritt gesichert.
Durch den jährlichen Aktionstag „Berlin sagt Danke“ und die Ehrenamtskarte drückt der Senat Wertschätzung und Anerkennung für die freiwillig Engagierten aus. Mit der Plattform engagiertes.berlin fördert der Senat ein neues Informationsmedium für Engagierte, zum Beispiel bei der Suche nach Räumen, um sich zu treffen. Im Lernort Zivilgesellschaft werden Angebote zur Qualifizierung und Fortbildung von Engagierten gebündelt und zusätzlich geschaffen. Fortgesetzt werden kann auch die Förderung des Landesnetzwerks Bürgerengagement, der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen und für den jährlichen Berliner Demokratietag und die Berliner Demokratiekonferenz. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt und stärken den demokratischen Dialog nachhaltig.
Mit dem Haushalt wird ein deutlicher Akzent zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts gesetzt, indem wichtige Projekte der Demokratie- und Engagementförderung sowie der Antisemitismusprävention gefördert werden können. Der Antisemitismusfonds mit jährlich 8 Millionen Euro ist ein klares Signal. Hier werden wir die notwendigen Strukturen schaffen, für eine wirksame und verantwortungsvolle Umsetzung.
So wird auch Berlins Profil als weltoffene Stadt der Freiheit und des demokratischen Engagements für den gesellschaftlichen Zusammenhalts gestärkt.