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Konzeptgeförderte Orte: Kultur mit Konzept

Veröffentlicht am 16.06.2026

KULTUR MIT KONZEPT 

Positionspapier der Berliner Theater in der Konzeptionsförderung 

Zur internationalen Strahlkraft und Lebensqualität Berlins trägt ganz wesentlich das europaweit, wenn nicht gar weltweit, einmalige Kulturangebot bei – einzigartig aufgrund seiner Breite, von der kleinen lokalen Kunstinitiative bis zu den Opern und im Dialog mit einer diversen Stadtgesellschaft. Dieses Angebot begeistert aufgrund seiner vielfältigen Resonanz- und Identifikationsmöglichkeiten und ist lebendige Praxis eines demokratischen Miteinanders.

In diesem Gefüge spielen 14 eigenständige Bühnen, gefördert über das Instrument der Konzeptionsförderung des Landes Berlins, eine entscheidende Rolle. Verteilt über die Bezirke Berlins bieten diese je unabhängig agierenden Häuser zusammen ein umfangreiches Kulturprogramm mit Schauspiel, Performance, Tanz, Kinder- und Jungendtheater, Lesungen, Musik, künstlerischer Forschung, Diskussionsreihen und Festivals. Diversifiziert, wandlungsfähig und impulsgebend sind sie verankert in den Kiezen und im Kontakt mit ihrer jeweiligen Nachbarschaft. Sie bilden als Berliner Besonderheit ein 

Haus in der Fläche: mit hoher Effizienz und niedriger Zugangsschwelle, für über 200.000 

Zuschauer*innen vielfältiger Communities und Milieus, mit mehr als 2000 

Veranstaltungen pro Jahr und stark in der kulturellen Bildung engagiert, überregional und international ausstrahlend. 

Diese konzeptgeförderten Präsentations- und Produktionsorte, als auch zahlreiche Orte, die durch ein- oder zweijährigen Projektförderungen finanziert sind, sind Arbeitsorte tausender freier Künstler*innen und Festangestellter. Ihre Existenz und Produktivität wird über ein mehrsäuliges Fördersystem ermöglicht, das ineinander verzahnt ist: Schrumpft beispielsweise das Volumen der Einzelprojektförderung des Landes oder anderer 

Projektförderungen für Künstler*innen, bedeutet dies unweigerlich weniger Premieren in den Häusern und somit eine geringere Attraktivität der Institutionen. Umgekehrt verschlechtern sich mit der Einsparung bei der Konzeptförderung der Häuser die Arbeitsbedingungen der Künstler*innen und ihre Sichtbarkeit. In allen mehrjährigen Förderinstrumenten besteht zudem die Notwendigkeit eines Mittelaufwuchses, um diese für Neuzugänge zu öffnen. 

Die vom Senat eingesetzte Fachjury beurteilt die bereitgestellten Fördermittel für die Konzeptförderung regelmäßig als zu gering, um “faire Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, die Betriebe nachhaltig weiterzuentwickeln, die künstlerische Qualität zu sichern” und appellierte bereits 2022 dringlich “an die Verantwortlichen in der Politik, die einzigartige florierende freie Theaterlandschaft jenseits der Stadt- und Staatstheater als entscheidenden Impulsgeber in der Berliner Kulturlandschaft anzuerkennen und entsprechend angemessener zu fördern.” Seitdem hat sich die Situation nicht konsolidiert, sondern weiter prekarisiert. In den langfristigen Finanzplänen müssen und wollen wir Tarifsteigerungen für Mitarbeiter*innen sowie angehobene Honoraruntergrenzen für Künstler*innen, aber auch die allgemeine Inflation berücksichtigen. 

Als die 14 aktuell konzeptgeförderten Orte, als Haus in der Fläche, fordern wir Sie daher auf, diese Berliner Errungenschaft – die Räume gesellschaftlichen Zusammenhalts, die Labore kultureller Entwicklung, sichtbarer Ausdruck demokratischer Vielfalt – nicht zu gefährden, sondern durch Aufwüchse in den entsprechenden Töpfen zu stärken und sich für eine zukunftsweisende Förderung der Freien Darstellenden Künste einzusetzen

 

ATZE Musiktheater   —   Ballhaus Naunynstraße   —  Ballhaus Ost   —   DOCK ART 

—  Heimathafen Neukölln   —  Kleines Theater am Südwestkorso   —   Neuköllner Oper   —  Sophiensaele   —   Tanzfabrik Berlin   —   TD Berlin   —   

Theater im Palais   —   Theater Strahl   —  Theater Thikwa   —   Vagantenbühne 

      

FÖRDERUNG MIT KONZEPT 

  

  1. Kultur lebt von Sichtbarkeit und Wertschätzung 

    Kulturpolitik muss im Handeln und in Positionen deutlich machen, dass freie Theater und Produktionsorte wichtiger Teil des kulturellen und demokratischen Zusammenlebens und unverzichtbar für Vielfalt, Innovation und kulturelle Bildung in Berlin sind. Dies ist umso wichtiger angesichts der zunehmenden Wirkmacht rechtsextremer Diskurse. 

  1. Faire Arbeitsbedingungen: 

    Mehr künstlerische Produktionsmittel für freie Häuser und für freie Gruppen. Zentrale Programme sind seit vielen Jahren massiv unterfinanziert (z.B. nur 5% der qualifizierten Projekte werden gefördert). Mindesthonorare können oft nicht gezahlt werden, obwohl das Land Berlin sich dazu verpflichtet hat. 

  1. Sicherung der Produktionsgrundlagen für künstlerische Arbeit in den Bereichen Projektförderung, künstlerischer Forschung, Arbeitsräume. 

    Berlin muss – auch in internationaler Konkurrenz mit anderen Städten – attraktiver Arbeitsort für Künstler*innen bleiben. Immer mehr Künstler*innen in Berlin geben auf, weil sich Produktionsbedingungen substanziell verschlechtert und Lebenshaltungskosten gleichzeitig verteuert haben. 

  1. Mindestens 5 Millionen mehr in der Konzeptförderung  zur Konsolidierung der Geförderten + weitere Mittel für Neuaufnahmen 

    Laut Fachgutachten von 2022 hätte die Konzeptförderung (Haushaltstitel 68322) bereits letzte Runde 25% höher ausgestattet werden müssen. Die Jury soll einen realen Evaluationsauftrag erhalten und die Mittel müssen entsprechend erhöht werden. Neuaufnahmen müssen möglich werden. 

  1. Kopplung aller Förderinstrumente an Kostensteigerungen. 

       Rücknahme der Kürzungen. 

Der jährliche Kaufkraftverlust durch Inflation, Tarifentwicklungen, Mietsteigerungen und andere Kostenfaktoren ist immens. In allen Förderbereichen sollte regelmäßig eine automatisierte Anpassung stattfinden. 

 

  1. Diversität und Inklusion sind zentral. 

    Die Beförderung von Diversität (in Personal, Programm, Publikum), Inklusion und Zugängen mit dem Ziel allgemeiner gesellschaftlicher Teilhabe benötigt nicht nur Investitionsmittel zur Ertüchtigung der Infrastruktur und für Transformationsprozesse. Es braucht nachhaltige und dauerhaft finanzierte strategische Access-Programm. 

  1. Der Transformationsfonds muss die freie Szene in den Blick nehmen: Resiliente Strukturen für alle! 

    Die Freie Szene muss im Transformationsfonds auf allen Ebenen mitgedacht werden. Gemeinsame Infrastrukturen, wie Lagermöglichkeiten und Werkstatträume, Transporter, Gästewohnungen müssen für die freie Szene geschaffen werden. 

  1. Hauptstadtkulturfonds stärken: 

10 Millionen zusätzlich für Projekte der Freien Szene 

Ohne die Projektförderung aus dem Hauptstadtkulturfonds sind Spielstätten nicht handlungsfähig und freien Gruppen fehlt ein existenzieller Baustein in der Förderlandschaft. Seit 2018 wurde der zur Verfügung stehende Finanzrahmen nicht angepasst. 

 

  1. Fortführung des Gutachterverfahrens und Erfassung realer Bedarfe 

    Das aktuell angewandte Verfahren, in dem eine Fachjury eine qualifizierte Begutachtung durchführt und die realen Bedarfe und programmatischen Konzepte auch im direkten Dialog mit den Antragstellenden Institutionen ermittelt, hat sich bewährt. 

    Positionspapier als PDF

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